iPhone 4: Schwächen, Kritikpunkte & Schattenseiten

15.12.2010 – 11:29

Vorweg zunächst einmal eines: Das iPhone 4 ist das mit großem Abstand genialste Smartphone, das ich bis dato in Händen hatte. Das Gerät ist schick, das Display einfach nur brillant und superfein auflösend, die Bedienung extrem intuitiv - kurz: Es macht einfach Spaß. ABER: Es gibt auch Grund zur Kritik, denn nicht alles ist perfekt. Besonders ärgerlich ist, dass viele der Schwachpunkte leicht vermeidbar wären - wenn Apple nur wollte.

Gleich am Anfang legt Apple dem iPhone-4-Käufer Steine in den Weg:

  • Das iPhone 4 verfügt über eine WLAN-Funktion. Internet-Funktionen wie der Web-Browser Safari oder der E-Mail-Client ließen sich also problemlos auch ohne SIM-Karte und ohne Zugang zum Mobilfunknetz nutzen. Wer zunächst sein iPhone 4 bekommt und (wie ich) einige Tage auf seine MicroSIM-Karte warten muss, merkt schnell, dass dies zwar technisch möglich wäre, von Apple aber offenbar nicht gewünscht wird: Ohne SIM-Karte geht gar nichts.
  • Hat man dann die SIM-Karte eingelegt, nervt Apple mit der nächsten Hürde: Zum Aktivieren muss das iPhone mit einem Computer verbunden werden, auf dem zuvor iTunes installiert wurde - das man selbstverständlich erstmal aus dem Internet herunterladen darf. Das grenzt schon an Schikane, denn über die GSM-/UMTS-Verbindung könnte sich das iPhone leicht mit dem Apple-Server verbinden - wenn man denn überhaupt die Notwendigkeit einer “Aktivierung” zu akzeptieren bereit ist.
  • Doch der “Spaß” geht weiter: Um auch nur eine einzige (kostenlose) App zu installieren, muss man eine Apple-ID erstellen und sich unter Angabe einer Adresse und Kreditkartennummer (!) bei Apple registrieren. Abgesehen davon, dass diese “Datensammelwut” unerträglich ist, braucht man für die Eingabe all dieser Daten auf dem iPhone eine Menge Geduld und spitze Finger. Immerhin lässt sich dieser Part auch über iTunes am PC erledigen, die Zugangsdaten werden dann sychronisiert.
  • Aber damit nicht genug: iTunes hat ganz eigene Vorstellungen von sicheren Passwörtern. Mindestens ein Großbuchstabe und eine Zahl müssen es sein, sonst verweigert iTunes die Annahme. Dumm nur, dass man dieses Passwort regelmäßig beim Downloaden selbst kostenloser Apps auf dem iPhone wieder eingeben muss. Das nervt!
  • Apropos Passwort-Eingabe: Die Eingabe von Passwörtern erfolgt immer verdeckt, nur der letzte Buchstabe ist für kurze Zeit im Klartext sichtbar. Vertippt man sich bei der Eingabe (was auf der virtuellen Tastatur im Hochformat auch ohne “dicke Finger” schnell passiert), kann man praktisch von vorne anfangen, da beim Löschen nicht erkennbar ist, welches Zeichen gerade gelöscht wird.
  • Und noch ein paar Worte zum AppStore: Dessen Struktur ist völlig ungeeignet, um in sinnvoller Weise durch die mittlerweile 250.000 Apps zu navigieren. Über die Suchfunktion findet man nur, was man explizit sucht. Und das Browsen zeigt in wenigen, sehr groben Kategorien die dort eingeordneten Apps nach ihrer Popularität an - weitere Filter- oder Sortierfunktionen sucht man vergeblich.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bereue die Entscheidung für das iPhone 4 nicht ernsthaft - im Gegenteil. Im Moment ist das iPhone den Wettbewerbern ein gutes Stück voraus. Langfristig werden Android und Windows Mobile jedoch aufholen. Und bei funktionalem Gleichstand wird Apple es sich immer weniger leisten können, den Benutzer mit (künstlichen) Restriktionen zu schikanieren.

Achja: Auf meinem Schreibtisch stand bis 1995 ein Mac. Windows 3.1 fand ich unerträglich und habe daher gerne die Mehrkosten und Eigenheiten von Apple in Kauf genommen. Dann kam Windows 95 und neben dem Mac stand fortan ein Windows PC. Wenige Jahre später hatte der Mac ausgedient.

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